China Motorrad Scouting Tour: 2.Teil – Mit dem Motorrad durch China; zum Gelben Fluß und zum Qinghai-See

China Motorrad Scouting Tour: 2.Teil – Zum Gelben Fluß und zum Qinghai-See

Durch Hochsteppen nach Langmuse

Wir finden uns wieder in einem Tag der Superlativen auf unserer China Motorrad Expedition. Sechs Pässe über 4000 Meter bewältigen wir bis zum Ende des Fahrtages. Die 330 Kilometer Wegstrecke vergeht dank perfekter Straßenqualität wie im Flug und die Asphaltbeschaffenheit lässt eine tolle Schräglage in Kurven zu. Dabei wollten wir gar nicht so weit kommen.

Nach Seda und dem Austausch eines gerissenen Kupplungszuges verfahren wir uns fast, deuten die Straßenschilder tatsächlich in die falsche Richtung, die Ortsansässigen jedoch geben uns Tipps zur Strecke und zeigen uns den richtigen Weg. Es geht ins Niemandsland. Uns überkommt uns zum ersten Mal das Gefühl einsamer Entlegenheit. Kein Zeugnis von menschlichem Leben außer die Straße, die wir brauchen. Die nächste Stadt ist relativ unspektakulär, spektakulär jedoch war die Nachricht eines Polizeibeamten, dass der Ort leider noch für Ausländer gesperrtes Gebiet ist und wir in den nächsten Kreis fahren müssten. Kein Hotel kann uns beherbergen. Die offizielle und amüsante Begründung war, dass noch kein 4* Hotel gebaut wurde, und daher Ausländern kein adequates Quartier angeboten werden könne. Ob wir das überhaupt wollten, hat man uns nicht gefragt. Wir wären auch mit einer günstigen Absteige zufrieden gewesen,
Es war schon nach fünf und der nächste Ort über 150 Kilometer weit entfernt.

Da hilft nichts, mit höchstmöglicher Geschwindigkeit befahren wir die kurvigen Straßen. An der nächsten Kreuzung schon warten Polizeibeamte auf uns, um uns den richtigen Weg zu zeigen. Eskortieren sie uns tatsächlich aus dem Kreis? Sie sind freundlich, aber bestimmt. Wir müssen weiter.

Etwas schade ist es, bei tiefstehender Sonne, diese glühende Steppenbergwelt abzureißen, doch die Straßen sind griffig und die Landschaft schmilzt dahin wie ein Gletscher während der globalen Erderwärmung, während wir langsam bei untergegangener Sonne erfrieren. Im letzten Tageslicht erreichen wir den Ort und ein dekadentes Hotel mit heißem Wasser und kaltem Bier.

Schier endlose Grasländer breiten sich am nächsten Tag auf dem Weg nach Labrang vor uns aus.

 

Labrangs tibetische Karaokebar

Labrang ist ein großer Tempelkomplex, der auf 2800m Höhe errichtet wurde. Auch heute noch ist das Kloster eine wichtige Lehranstalt von Tibet. Im 18. Jahrhundert entwickelte es sich zu einem wichtigen Handelsplatz aufgrund seiner geographischen Lage zwischen der Seidenstraße und Tibet. Uns erwartet hier ein exotisches Abendprogramm. Klassische tibetische Gesänge sowie Tänze werden vorgetragen, wobei es schwer ist zwischen Karaoke und echtem Gesang zu unterscheiden. Nichts desto trotz, bei einer guten Performance hängt einer aus dem Publikum der Künstlerin einen weißen Schal, den sogenannten Hada, um. So sieht man manchmal von den Kleidern nichts mehr, sind sie mit vielen Hadas bedacht. Wir dagegen sind mit viel tibetischem Schnaps (Ara) bedacht und tanzen zuletzt mit. Diese Musik (und die hübschen Tibeterinnen) haben aber auch eine anziehende Wirkung.

Am nächsten Tag fahren wir, etwas später als geplant, nach Tongren, Zentrum tibetischer Kunst und Kultur. Im Fahrtwind ausnüchternd, verschwinden auch die letzten Spuren der Ermüdung durch die vorherige Nacht.


Thangkas und Sandssteinskulpturen

Schwer vorstellbar ist der landschaftliche Bruch der sich heute ereignet. Während sich ringsherum die schier endlosen Grasländer ausbreiten, in denen Himalayageier über die Leichen von fetten Murmeltieren herfallen, fahren wir mit unseren Motorrädern hinab in die Täler des Gelben Flusses und finden uns plötzlich in einer bizarren Sandsteinwelt wieder, die in nichts dem Monument valley nachkommt. Steile Skulpturen, die Hände und Finger der Wüste, ragen gelb und orange in den blauen und weißen Himmel. Tongren liegt hier, ein wichtiges tibetisches Zentrum in einer Landschaft, die man nie mit Tibet assoziieren würde.

In Tongren werden die bekannten buddhistischen Thangkas gemalt. Es gibt eine große Akademie, wo die Meister ihr Können weitervermitteln. Thangkas stellen buddhistische Gottheiten dar, aber auch Mandalas, wie den Kreis des Lebens. Sie sind wichtige Lehrmittel für den Buddhismus. Sie werden zur Meditation genutzt und bei buddhistischen Ritualen zur Schau gestellt.

Campen im Kanbula Nationalpark

Am nächsten Morgen folgen wir dem Gelben Fluss stromaufwärts. Wir befinden uns hier nur noch auf einer Höhe von 1900m, es ist warm und trocken und die azurblauen Fluten des Flusses laden zu einem erfrischenden Bad ein. Jede Kurve eröffnet den Blick auf noch bizarrere Sandsteinberge bis wir in Kanbula nur noch von hunderte Meter hohen Felssäulen umgeben sind. Hoch über dem Tal finden wir einen spektakulären Zeltplatz. Bei einer tibetischen Familie in der Nähe kaufen wir etwas Feuerholz und richten uns ein gemütliches Lager her. In strahlendem Orange leuchten die Berge im Licht des Sonnenuntergangs und wir genießen die unglaubliche Stille, eingetaucht ins flackernde Rot unseres Lagerfeuers. Plötzlich taucht eine Flasche Chivas Regal auf. Mal ehrlich, gibt es in einer solchen Situation was geileres als eine Flasche Chivas Regal?

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Qinghai-See

Mit der landschaftlichen Veränderung geht auch eine kulturelle einher. Das tibetische tritt langsam zurück. Viele Muslime wohnen im Tal des Gelben Flusses und die Behausungen lassen an Pueblos erinnern. Man fühlt sich in Zentralasien. Heute lassen wir diese Welt hinter uns. Wir befahren kurvenreiche, ordentlich asphaltierte Strassen mit unseren Motorrädern hoch hinauf in ein karges Ödlandgebirge. Keine Tiere, keine Pflanzen. Es ist soweit, dies muss das Ende der Welt sein. Es geht höher und höher hinauf und dann ist es tatsächlich vor uns, das Ende der Welt, wir schauen hinab und vor uns erstreckt sich ein Ozean soweit das Auge reicht, der Qinghai-See in seiner ganzen Pracht.
Auf 3.200 Metern Höhe kann man das jenseitige Ufer des Sees kaum erkennen. Wildenten und kreischende Möven fliegen über unseren Köpfen als wir einen Spaziegang am Sandstrand des Ufers unternehmen. Mit einem kühlen Bier lassen wir den Tag ausklingen.

Hier endet unsere Scouting Tour. Am nächsten Tag in Xining sitzen wir beisammen und lassen uns noch einmal die Route durch den Kopf gehen. Wir überdenken die Etappen, die Streckenführung und Straßenverhältnisse und kommen einhellig zu dem Schluss, dass diese China und Tibet Motorradreise ein vollkommenes und einzigartiges Erlebnis darstellt und zweifelsohne zu den spektakulärsten Abenteuern gehört, die man in China erleben kann.

 

 

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